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Ungeduld, Versagensängste, Drama – es geht doch nichts über ein schö­nes Hobby…

Feb 15, 2018

Seit ein paar Jahren spie­le ich wie­der regel­mä­ßig Tennis. Das macht mir zum einen wahn­sin­nig viel Spaß, weil ich den Sport seit mei­ner Kindheit lie­be! Zum ande­ren hat es den schö­nen Nebeneffekt, dass sich ein Hobby wie Tennis aus­ge­zeich­net zur Selbstanalyse eignet 😉

Denn alles, was man im nor­ma­len Leben glaubt, im Griff zu haben, sucht sich auf dem Platz einen Weg an die Oberfläche – und das, mei­ne Lieben, ist nicht immer ein schö­ner Anblick.

Seit letz­tem Sommer spie­le ich wie­der in einer Mannschaft, und in mei­nem ers­ten Freundschaftsspiel (!) habe ich mich direkt so über mich selbst geär­gert, dass ich kurz davor­stand, mich für Jack Nicholsons „Anger Management“-Kurs anzu­mel­den…  (Wer den Film noch nicht gese­hen hat: unbe­dingt nach­ho­len! Genial.)

Versagensängste in Verbindung mit Wut ist also auf jeden Fall ein Muster, das ich zwi­schen­durch ver­drängt, aber nun auf dem Tennisplatz wie­der­ent­deckt habe …

Überhaupt ist es – glück­li­cher­wei­se nicht nur bei mir – immer wie­der fas­zi­nie­rend zu beob­ach­ten, wie der Kopf ver­sagt, auch wenn es um abso­lut NICHTS geht. Wir ver­lie­ren kein Geld, kei­nen Ruhm, kei­ne Ehre (naja, die viel­leicht ein biss­chen), kei­ne Freundschaften – NICHTS. Es ist das rei­ne Ego, das nicht ver­lie­ren will und den Körper ängst­lich so ver­kramp­fen lässt, dass zwi­schen­durch gar nichts mehr geht.

Ein zwei­tes Muster, was mir neu­lich auf dem Platz bewusst­wur­de ist der plötz­li­che Drama-Anfall. Er dau­ert meist nicht lan­ge, aber ich kann mich für ein paar Minuten in einem völ­lig selbst­zer­stö­re­ri­schen Drama verlieren. 

Der inne­re Monolog geht dann sinn­ge­mäß so: „Ich könn­te wirk­lich heu­len! Warum spie­le ich über­haupt noch Tennis? Ich bin wirk­lich zu doof…“  Yep, super konstruktiv!!

Leider ist mir kurz nach dem Spiel bewusst­ge­wor­den, dass ich die­se spon­ta­nen Drama-Anfälle auch im nor­ma­len Leben von mir ken­ne. Auch hier dau­ern sie nicht lan­ge, aber es gibt sie, die­se Momente, in denen ich den­ke (oder sage): „Ich könn­te wirk­lich heu­len! Warum mache ich das über­haupt wei­ter? Ich bin wirk­lich zu doof…“ Auch im Berufsalltag und als Mutter ist das wirk­lich super konstruktiv 😉

Ein drit­tes Muster, das mir vor allem im Tennistrai­ning immer wie­der auf­fällt, ist mein Anspruch, etwas sofort und schnell umset­zen zu kön­nen. Und wenn das nicht funk­tio­niert, wür­de ich es eigent­lich am liebs­ten bleibenlassen.

Dieser Anspruch zieht sich wirk­lich durch mein Leben durch. Im Alter von 4 bis 7 habe ich fünf Sportarten ange­fan­gen und nur die wei­ter­ge­macht, die ich auf Anhieb rela­tiv gut konn­te: Genau, Tennis. In der Schule habe ich Mathe und Naturwissenschaften gehasst, weil ich nicht von vor­ne­her­ein gro­ßes Talent bewies – bzw. gar keins. Im Studium habe ich in Fächern wie Rechnungswesen und Finanzwissenschaften lie­ber eine 4 geschrie­ben als mich da in irgend­ei­ner Form reinzufuchsen.

Das klingt jetzt so, als wäre ich über­haupt nicht bereit, mich Herausforderungen zu stel­len oder Einsatz zu zei­gen. Das stimmt natür­lich nicht. Ich bin sehr ehr­gei­zig und auch durch­aus leis­tungs­wil­lig, aber.…

Ja, was denn eigent­lich aber?

Ich habe eben oft die­sen völ­lig unrea­lis­ti­schen Anspruch an mich, dass ich etwas sofort und schnell kön­nen muss. Überhaupt habe ich wenig Geduld mit mir. Das könn­te ich jetzt auf mei­ne Eltern schie­ben (was in Teilen auch berech­tigt wäre;)), aber mei­ne Geschwister sind nicht alle so unge­dul­dig wie ich, inso­fern suche ich die Verantwortung (nicht die Schuld!) lie­ber bei mir selbst.

Natürlich weiß ich das auch nicht erst seit ges­tern, dass ich unge­dul­dig bin mit mir. Es ist etwas, an dem ich schon lan­ge sehr bewusst arbei­te. Und in vie­len Bereichen kann ich heu­te sehr viel bes­ser los­las­sen als frü­her und habe mehr Vertrauen in den Prozess, auch wenn er mal lang­sa­mer ist als ich mir das wünsche…

Es sind Mini-Fortschritte, aber es sind Fortschritte — und auch in die­sem Prozess muss ich gedul­dig sein ;))

Aber um zum Schluss noch eine Lanze zu bre­chen für alle Ungeduldigen:
Wie alles im Leben hat unse­re Ungeduld auch posi­ti­ve Seiten!! 

  • Wir kön­nen Dinge schnell umset­zen! (Stating the obvious, aber wahr und wichtig.)
  • Wir kön­nen auf Perfektion ver­zich­ten zuguns­ten des Tempos. (Mach Dir bei allem bewusst, wel­cher Anspruch Dir in die­sem Moment wich­ti­ger ist: Optimierung oder Tempo? Beides geht nur sehr, sehr schwer zusammen.)
  • Wir kön­nen vie­le ver­schie­de­ne Projekte/Hobbies/Aktivitäten machen, weil wir vie­le Dinge schnell abha­ken kön­nen, anstatt uns in Details zu verlieren.

Glaube mir: Viele träu­men davon, die­se Stärken zu haben!! Denke dar­an, wenn Du das nächs­te Mal Deine Ungeduld verteufelst…

Das ist über­haupt das Schöne an mei­ner Arbeit als Coach und vor allem in der Persönlichkeitsarbeit mit dem Enneagramm. Die Muster, die uns am meis­ten im Weg ste­hen, haben eben auch alle ihre posi­ti­ven Seiten.

UND wir kön­nen natür­lich an den nega­ti­ven Seiten arbeiten.

In mei­nem Berufsalltag gelingt es mir inzwi­schen viel bes­ser, gedul­di­ger zu sein. Mit mei­nen Kindern nicht immer (ich glau­be, das Trödeln wur­de erfun­den, um Mütter wie mich zur Selbstarbeit zu zwin­gen!), und ich weiß nicht, ob ich es auf dem Tennisplatz in die­sem Leben noch ler­nen werde.

Aber viel­leicht ist es ja auch ganz gut, wenn ich den Tennisplatz als Ort der dra­ma­ti­schen Emotionen behal­te? So wie ein Freund neu­lich so tref­fend for­mu­lier­te: „Tennis ist die per­fek­te Psychohygiene.“

Es geht eben ein­fach nichts über ein schö­nes Hobby. Es hat ja nie­mand etwas von Entspannung gesagt…

 

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