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Die Insel der tau­send Möglichkeiten

Mrz 26, 2015

In mei­nem Blog geht es heu­te um ein Thema, das mir schon lan­ge auf der Seele liegt und end­lich raus muss. Mehr ver­ra­te ich nicht.

Meine Eltern haben es nur gut gemeint mit die­sem Satz. Aber wenn ich dar­an zurück­den­ke, hat er mich wie fast kein ande­rer unter Druck gesetzt:

“Du hast alle Optionen.”

Ich möch­te nicht und­anbkar sein und weiß alles zu schät­zen, was ich bekam: Bildung, Reisen, Eindrücke, Fremdsprachen, Zeit zum Ausprobieren, Zeit zum mich fin­den. Das haben nicht vie­le Menschen auf die­ser Welt.

Aber jede Medaille hat zwei Seiten.

Was aus der Sicht mei­ner Eltern (bei­de 1941 gebo­ren) zurecht der Traum vom Dasein war: “alle Freiheiten zu haben”, brei­te­te sich in mir zu einer exis­ten­ti­el­len Krise aus.

Ich hat­te ein sehr gutes Abitur — das führ­te zu zusätz­li­chem Druck… “Muss ich nicht etwas ganz Besonderes tun, beson­ders Großes leis­ten?” Jetzt hat­te ich nicht nur alle Optionen — ich hat­te zusätz­lich noch das Gefühl, es müss­te etwas ganz Besonderes sein.

Dem Abitur folg­te eine lan­ge, lan­ge Suche.

Erschlagen von Optionen brach­ten mich all die­se Entscheidungen um den Schlaf:

Welches Studium? Welcher Schwerpunkt? Welche Stadt? Welches Praktikum? Welcher Job?

Welchen Weg soll ich gehen?

Ich bin dank­bar für alle Wege, die ich aus­ge­tes­tet habe und nicht zuen­de gegan­gen bin (eine Promotion zB) — und ich bin dank­bar für die vie­len tol­len Dinge, die ich durch­ge­zo­gen habe (eine Firmengründung zB). Ich bin demü­tig, weil ich weiß, dass nicht vie­le sol­che Möglichkeiten haben, und ich bereue nichts.

ABER ich wünsch­te mir heu­te, dass ich mir eine Frage frü­her gestellt hätte:

Welchen Weg WILL ich gehen?

Es hat vie­le Gründe, dass ich mir die­se Frage nicht gestellt habe. Einige davon sind sehr per­sön­lich. Sie haben mit mei­ner Familie, mit mei­nem Lebenslauf und mit mei­ner Persönlichkeitsstruktur zu tun.

Aber ich sehe als Coach, dass ich nicht die ein­zi­ge bin, die die­se unend­li­che Freiheit und die Millionen von Möglichkeiten unse­rer Generation AUCH als Bürde empfindet.

Wir sind dank­bar und demü­tig. Auf der einen Seite. Und auf der ande­ren Seite füh­len wir uns ver­lo­ren im luft­lee­ren Raum der Optionen.

Schmunzelnd den­ke ich gera­de an mein Lieblingsbuch in der Grundschule zurück: “Die Insel der 1.000 Gefahren”. Es fängt damit an, dass der Leser auf eine ein­sa­me Insel gespült wird und am Ende jeder Seite zwi­schen zwei Optionen ent­schei­den kann.

Entscheidest Du Dich A) für ein Robinson-Leben oder willst du B) mög­lichst schnell geret­tet wer­den? Je nach­dem wofür Du Dich ent­schei­dest, liest Du wei­ter auf Seite 12 oder auf Seite 27… usw.…

In mei­nem Leben hät­te ich mir man­ches Mal gewünscht, dass ich am Ende eines Abschnittes auch nur 2 Optionen gehabt hät­te. Wäre das nicht so viel ein­fa­cher gewesen?

Im Nachhinein den­ke ich: Nein. Denn weni­ger Freiheit wäre für mich auch kei­ne befrie­di­gen­de Lösung gewesen.

Aber die bren­nen­de Frage ist: Wie kön­nen wir unse­re Freiheit genie­ßen, ohne davon über­for­dert zu sein?

Genau hier liegt für mich die größ­te Herausforderung unse­rer Generation. Denn wir möch­ten ja wei­ter alle Optionen haben!

Aber wir müs­sen die­ser Herausforderung aktiv begeg­nen. Und sich zwi­schen vie­len, vie­len Optionen ent­schei­den zu müs­sen, IST eine Herausforderung.

Mein Lösungsvorschlag ist fol­gen­der: Lerne Dich kennen.

Finde her­aus, was Dich moti­viert, was Dir Spaß macht, wel­chen Weg DU wirk­lich gehen willst.

Je bes­ser Du Dich kennst des­to bewuss­ter kannst Du Entscheidungen für Dich und aus Dir her­aus treffen.

Diesen Weg bin ich auch gegan­gen. Es war ein lan­ger und durch­aus schwie­ri­ger Weg, aber er hat sich gelohnt. Denn nur die­ser lan­ge Weg zu uns bringt uns zu einer inne­ren Klarheit, die Glück verspricht…

Und dort ange­kom­men fühlt sich die Insel der tau­send Möglichkeiten — end­lich !! — ZIEMLICH gut an. 🙂

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