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DAS MÄDCHEN OHNE STIMME…

Jan 31, 2018

Im Som­mer 1996, ich war gera­de 16 gewor­den, ver­brach­te ich vier Mona­te in einer Gast­fa­mi­lie in Frank­reich. Vier laaaaan­ge Monate.

Was für vie­le Jugend­li­che ein tol­les Aben­teu­er gewe­sen wäre, war für mich ein­fach… keins.

Das Schlimms­te an mei­nem Auf­ent­halt dort war aller­dings mein Ent­schei­dungs­weg dorthin.

Das „Wir kön­nen Dir das ermög­li­chen!“ mei­ner Eltern hat­te ich als „Du musst das unbe­dingt machen!“ bewer­tet. Und wäh­rend sie dach­ten, sie täten mir einen gro­ßen Gefal­len, fühl­te ich mich in der Pflicht zu fah­ren.

Anstatt also mei­ner eige­nen inne­ren Stim­me zu fol­gen, die sag­te: „Bleib zuhau­se! Was willst Du dort? Du wirst nur Heim­weh haben!“ unter­drück­te ich sie und zog es durch.

Und das soll­te weiß Gott nicht das letz­te Mal bleiben.

Die­ses Mus­ter: mei­ne eige­ne Stim­me zu unter­drü­cken, um aus­ge­spro­che­nen und unaus­ge­spro­che­nen Erwar­tun­gen mei­ner Außen­welt zu ent­spre­chen, zog sich wie ein roter Faden durch mein Leben. 

Ich wür­de sogar sagen: ich habe die­ses Mus­ter über die Jah­re perfektioniert!
Zu mei­nem ganz gro­ßen Nachteil.

Was bleibt einem ohne inne­re Stimme?
Die pure Verunsicherung.

Cut! Weih­nach­ten 1996: Ich war wie­der zu Hau­se — puuuuh.

Aber plötz­lich wur­de alles um mich her­um sehr dun­kel. 

Als hät­te mei­ne inne­re Stim­me nach der Frank­reich-Erfah­rung gesagt: „Weißt Du was? Wenn Du mich sowie­so igno­rierst, dann versuch’s halt ganz ohne mich. Du wirst schon sehen, was Du davon hast!“ 

In der 12. Klas­se schrieb mein Deutsch­leh­rer unter einen mei­ner Auf­sät­ze: „Eine ein­drück­li­che Beschrei­bung einer Depres­si­on“. Ich glau­be nicht, dass er wuss­te, wie recht er hat­te. Aber er gab mir 15 Punk­te – immerhin.

Über­haupt habe ich in die­sen Jah­ren extrem gut funk­tio­niert. Das war nicht das Pro­blem. Sehr gutes Abitur, im Sport so gut wie nie zuvor, Stu­di­um, wei­te­re Aus­lands­auf­ent­hal­te, neben­bei gear­bei­tet und gro­ße Pro­jek­te gestemmt…  Ich hat­te auch Freun­de, Part­ner, und ja, ich habe auch gelacht.

Denn auch das habe ich auf mei­nem Weg per­fek­tio­niert: Nach außen funk­tio­nie­ren, obwohl es innen ganz dun­kel ist. 

Die Qual der Wahl.

Das, was mei­ne Eltern (selbst noch Kriegs­kin­der) zurecht als unend­li­che Chan­cen und Frei­hei­ten sahen, emp­fand ich als Qual.

Und so wäre die Über­schrift der nächs­ten Jah­re wohl “Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit” gewe­sen. Ich weiß nicht, wie vie­le ver­schie­de­ne Prak­ti­ka ich gemacht habe, wie vie­le Stu­di­en­fä­cher ich im Kopf anfing und wie­der ver­warf, in wie vie­len Städ­ten ich dach­te, zuhau­se zu sein oder zuhau­se sein zu sollen.

Ich brach mein Stu­di­um ab, “um erst­mal zu arbei­ten”. Als ich ent­schied, das Stu­di­um doch noch durch­zu­zie­hen (in Pas­sau), zog ich nach Ber­lin. Nicht gera­de um die Ecke, aber es demons­triert mei­ne inne­re Rast- und Ratlosigkeit.

In Ber­lin leb­te ich das Leben ande­rer mit. Das pas­siert sehr schnell, wenn man selbst nicht weiß, wo man hin will. Man hängt sich ein­fach an Men­schen dran, die selbst inten­siv leben — dann fällt es einem nicht so auf, dass die eige­ne Erfül­lung fehlt…

Mei­ne Eltern gaben mir in die­ser Zeit alle Frei­hei­ten, misch­ten sich nie in mei­ne Ent­schei­dun­gen ein. Sie ver­trau­ten mir voll. Aber auch damit konn­ten sie mir nicht das Selbst-Ver­trau­en schen­ken, das mir fehlte.

Jede anste­hen­de Ent­schei­dung schien mir ins Gesicht zu lachen und zu sagen:
Das hast Du jetzt davon, Mäd­chen ohne Stimme!

Ziem­lich fies eigentlich.

Heu­te stel­le ich mich die­sem Lachen ent­ge­gen und schreie selbstbewusst:

WIE DENN AUCH — VERDAMMT? 

Wie zum Teu­fel soll­te ich als Mäd­chen, als Jugend­li­che, als jun­ge Frau wis­sen, was mei­ne Inne­re Stim­me sagt?

Wie lernt man denn, sich selbst zu hören und sich dann auch noch selbst zu vertrauen?
Wie lernt man, sei­ne eige­nen Wün­sche von den Erwar­tun­gen der Außen­welt zu tren­nen und der eige­nen Stim­me zu fol­gen?  

  • Woher weiß ich mit 16, wel­che Aus­bil­dung ich machen möchte?
  • Wie moti­vie­re ich mich mit 17 zu einem guten NC, wenn ich kei­ne Ahnung habe, was ich nach dem Abitur damit machen möchte?
  • Wie ent­schei­de ich mich mit 18 für einen Stu­di­en­gang, wenn ich noch kei­ne (Lebens-)Ziele habe? 
  • Wie soll ich mit Anfang/Mitte 20 Lebens­zie­le haben und mei­nen Traum­be­ruf wäh­len, wenn mein Leben gera­de erst rich­tig anfängt?

Wie unter­schei­de ich als jun­ger Erwach­se­ner das Wol­len vom Sol­len, wenn es mir nie­mand bei­gebracht hat? 

Im Nach­hin­ein ist man immer schlauer.

Heu­te kann ich sagen, wie es mir über die letz­ten zehn Jah­re gelun­gen ist: Mit sehr, sehr viel Selbst­ar­beit. Mit Hil­fe von Men­to­ren, Coa­ches, Freun­den und viel Lie­be von mei­ner Fami­lie. Mit Dis­zi­plin. Mit Men­schen, die mich zu den rich­ti­gen Momen­ten inspi­riert haben. Und sicher­lich auch mit etwas Glück.

Vor allem aber mit einem unglaub­li­chen Wil­len zu wach­sen und mich mutig auf die schwie­rigs­te aller Fra­gen ein­zu­las­sen: Was will ich wirk­lich?  

So sehe ich es heu­te fast als Glück an, dass ich schon mit 17 erfah­ren habe, wie dun­kel es um einen her­um wer­den kann, wenn man sich selbst nicht (zu)hört. Denn so hat­te ich kei­ne ande­re Wahl, als mich auf mei­nen Weg zu machen.

Glück­li­cher­wei­se ist es nicht für jeden eine solch dunk­le Erfah­rung, aber als Coach weiß ich, dass wir alle frü­her oder spä­ter an die­sen Punkt kom­men, an dem wir uns der Fra­ge „Was will ich wirk­lich?“ stel­len müs­sen.

Und ich sehe bei den Abitu­ri­en­ten und Stu­die­ren­den von heu­te, dass die­ser Punkt immer frü­her kommt.  
(> sie­he des­halb mein neu­es Ange­bot “MY. WAY.” spe­zi­ell für die­se Altersgruppe)

In mei­nen Augen liegt das an einem wach­sen­den Bewusst­sein für Sinn­fra­gen, an unse­rer (über)informierten Gesell­schaft, aber auch dar­an, dass es so unfass­bar vie­le Optio­nen gibt.

Die­se Gren­zen­lo­sig­keit ist Segen und Fluch zugleich.

Natür­lich gibt es immer die, die genau wis­sen, was sie wol­len. Egal wie vie­le Optio­nen sie haben.

Aber es gibt eben auch vie­le, die (noch) nicht wis­sen, was sie wollen!

Und es ist mein Her­zens­ziel, genau jene auf ihrem Weg zu beglei­ten und ihnen zu mehr Ori­en­tie­rung und Selbst-Bewusst­sein zu verhelfen. 

Ihnen und Dir möch­te ich sagen, was ich ger­ne frü­her gehört hätte: 

  • Es ist in Ord­nung, wenn Du Dich (noch) nicht hörst! Es ist in Ord­nung, dass Du noch nicht weißt, was Du willst und wo Du in 30 Jah­ren sein möchtest!
  • Es ist ein lebens­lan­ger Pro­zess her­aus­zu­fin­den, wer wir sind, was wir kön­nen und wo wir hin­wol­len. Also tu Dir einen Gefal­len und fang lang­sam an.
  • Aber fang an. Fang lang­sam und mutig an, Dich mit Dir und Dei­nen Wün­schen und Träu­men zu beschäf­ti­gen. Stell Dir selbst die wich­ti­gen Fra­gen. Nimm die Stim­men in Dei­nem Kopf wahr und fang an, Dei­ne ganz eige­ne Stim­me herauszufiltern.
  • Gib Dir dabei Zeit und Raum zum Aus­pro­bie­ren. Zeit und Raum für Umwe­ge und Irr­we­ge. Für „fal­sche“ Ent­schei­dun­gen. Sie alle sind wich­ti­ge Schrit­te zu Dei­nen ganz per­sön­li­chen Antworten.
  • Hol Dir Unter­stüt­zung, wenn Du allei­ne nicht wei­ter­kommst. Ver­traue Dich jeman­dem an und schau, wel­che Ant­wor­ten kom­men, wenn Du Dich öff­nest und ver­letz­lich zeigst.

Und last but not least:

Bleib mutig. Bleib prä­sent. Bleib hier.
Es lohnt sich. Ver­spro­chen.

 

 

Ps: Spe­zi­ell für Abitu­ri­en­ten und Stu­die­ren­de habe ich das 6‑wöchige Pro­gramm „MY. WAY.“ ent­wi­ckelt, das Selbst­coa­ching und Coa­ching kom­bi­niert. Wenn Du also mit mei­ner Unter­stüt­zung nach Dei­nen Ant­wor­ten suchen möch­test, dann schau es Dir ger­ne an!
(> Hier fin­dest Du alle Informationen!)

 

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