3 Anzeichen, dass Du zu hart zu Dir bist 5. Oktober 2016 – Posted in: Achtsamkeit, Blog, Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, Veränderung

Es ist erst 12 Uhr mittags, und ich habe schon mindestens 15 Mal geschimpft. Meistens leise, aber manchmal auch lautstark.
Wen ich beschimpft habe? Mich selbst.

Ich habe mich über mich geärgert, weil ich es nicht geschafft habe, früher aufzustehen. Im Spiegel fand ich mich zu dick. Beim Blick auf meine To Do-Liste überkommt mich das Gefühl, dass ich das nie alles schaffen werde. Nachmittags dann treffe ich eine Freundin, die so entspannt und glücklich wirkt, dass ich mich frage, was ich falsch mache. Beim Tennistraining am frühen Abend habe ich ganz oft „Scheiße“ gesagt, und was ich damit meinte, war: „Ich spiele mal wieder scheiße“. Und abends liege ich im Bett und kann nicht einschlafen, weil ich an all die Sachen denken muss, die ich heute nicht geschafft habe.

Kennst Du das auch von Dir?

Dann bist Du wahrscheinlich auch zu hart zu Dir.

Hier habe ich drei Arten gesammelt, wie wir zu hart sind zu uns!
Und dazu gibt es direkt
drei Übungen, mit denen Du dagegen steuern kannst.

 

#1 Du sprichst schlecht über Dich selbst.

Damit ist nicht gemeint, dass Du stundenlang vor dem Spiegel stehst und Dir Schimpfwörter um die Ohren knallst. Stattdessen spreche ich hier von negativen Gedanken über Dich selbst. Ausgesprochen oder unausgesprochen. Diese negativen Monologe kommen in verschieden Formen und Facetten.

Das fängt an mit den offensichtlichen Selbst-Beschimpfungen wie „Ich bin zu doof dafür“, „Ich bin leider mal wieder zu langsam“ oder „Ich bin zu dick/zu dünn/zu unsportlich“. Das Schlimmste hieran ist nicht der Inhalt, sonder das „Ich bin…“, weil wir uns in diesem Moment mit unserem negativen Selbstbild voll identifizieren. Wir verschmelzen mit dem „Verlierer“, den wir in uns selbst sehen.

Dann gibt es noch die Selbst-Vorwürfe, mit denen wir unser Können in Frage stellen: „Ich kann das einfach nicht“, „Ich kann nicht so gut schreiben/malen/präsentieren/Small Talk machen“ oder der Klassiker: „ich konnte noch nie gut schreiben/…“. Wir identifizieren uns mit unserem vermeintlichen Nicht-Können und verschmelzen auch hier mit dem „Verlierer“ in uns.

Oder wir verurteilen unser Verhalten: „Ich esse mal wieder nicht gesund genug“, „Ich müsste viel mehr Sport machen“, „Warum traue ich mich nie, den Mund aufzumachen?“ oder „Ich müsste mehr Zeit mit meiner Familie/im Büro verbringen.“ Indem wir unser Verhalten verurteilen, verurteilen wir uns selbst.

ÜBUNG:

Wenn Du diese Arten von negativen Gedanken und Monologen von Dir selbst kennst, empfehle ich Dir, Dich einen ganzen Tag lang genau dabei zu beobachten. Und zwar versuchst Du, Dich in dem Moment, in dem Du Dich – wie oben beschrieben – selbst verurteilst, wie von außen wahrzunehmen. Du kannst Dir auch gerne auf einen Zettel oder in Dein Smartphone Strichlisten machen, wie oft Du diese negativen Gedanken über Dich selbst hast.

Es ist sehr viel schwerer, als es klingt! Weil wir nicht gewohnt sind, uns selbst dabei von außen zuzugucken. Aber umso effektiver ist es. Denn wenn Du etwas Übung darin bekommst, Dich in diesen Momenten von außen zu beobachten, merkst Du, dass Du diese negativen Selbstgespräche auch abbrechen oder ganz unterlassen kannst, denn DU bist der Boss. Nicht Deine Gedanken. Probier’s mal aus!

 

#2 Du vergleichst Dich.

Was auch sehr typisch ist für Menschen, die zu hart zu sich sind, ist der Vergleich mit anderen.

Auch hier gibt es verschiedene Formen:

  1. Du findest, dass alle anderen besser, hübscher, schlanker, erfolgreicher und beliebter sind als Du.
  2. Du findest, dass alle anderen sich weniger Mühe geben als Du, nicht so talentiert sind wie Du, einen schlechteren Umgangston haben etc.

In dem einen Fall setzt Du Dich selbst herab gegenüber den anderen, die angeblich so viel besser sind; im anderen Fall setzt Du Dich über die anderen, indem Du deren Wesen oder Verhalten kritisierst.

Einen Gefallen tust Du Dir in beiden Versionen nicht, weil Du alles und alle um Dich herum bewertest. Und damit natürlich allen voran Dich selbst. Es ist dann so, als würdest Du den ganzen Tag mit einer Messlatte herumlaufen, an der Du Dich selbst und alle anderen misst. Das ist ganz schön anstrengend auf Dauer und trägt nicht zu einer gelassenen Lebenshaltung bei. Ich weiß, wovon ich spreche 😉

ÜBUNG:

Versuche mal, ein paar Tage lang all Deine kleinen oder größeren „Erfolge“ für Dich zu behalten, sie also nicht mit anderen zu teilen. Stattdessen spürst Du jedes Mal sehr genau hin, warum das für DICH ein Erfolg ist. Es geht darum, Deine alte Bewertungsskala von „richtig“ und „falsch“, „besser“ oder „schlechter“ zu ersetzen mit „Das macht mir besonders viel Spaß“, „Ich habe mein Ziel dabei erreicht“, „Ich fühle mich mit dem Ergebnis sehr wohl“ oder „Das macht mich glücklich“.

 

#3 Du hast viel Stress.

Ein sicheres Zeichen, dass Du zu hart zu Dir bist, ist STRESS. Nicht enden wollende To Do-Listen, Hin- und Herhetzen von Termin zu Termin, Schlafprobleme und keine Zeit mehr für Deine Hobbies.

Stress geht meist einher mit dem Selbsturteil: „Ich bin erst richtig und okay, wenn ich das ALLES geschafft habe.“ Und da Deine Liste nie endet: Viel Glück damit!

 

ÜBUNG:

Nimm Dir direkt heute 15 Minuten Zeit. Mehr nicht. 15 Minuten. Und in diesen 15 Minuten machst Du genau NICHTS. Smartphone weg! Keiner um Dich rum. Vielleicht gehst Du raus? Musst Du aber nicht. Hauptsache Du hast einen kurzen Moment Ruhe. Und dann schau mal, was passiert. Ich vermute, dass Du es erst einmal nicht genießt, es eher befremdlich findest. Dann mache es morgen am besten direkt wieder!

Wir haben verlernt zu sein, stattdessen machen wir die ganze Zeit. Das ist aber auf Dauer nicht gesund, also müssen wir es wieder lernen, das Sein. Probier’s mal aus und schau, was es mit Dir und Deinem Stress macht.

 

Last but not least: Jeder von uns hat Phasen, in denen wir zu hart sind zu uns. In denen wir unzufrieden, erschöpft, gestresst oder unglücklich sind.

Achtung!! Es ist extrem wichtig, dass wir uns dafür nicht auch noch verurteilen à la: „Oh Mann, jetzt bin ich schon wieder zu hart zu mir!“

Stattdessen können wir uns selbst helfen, indem wir uns bewusst machen, dass das alles nur in unserem Kopf existiert. Denn sobald wir das wirklich begreifen, haben wir die Chance, die eine oder andere Selbst-Beschimpfungs-Eskapade in den Griff zu bekommen.

Das wird uns nicht immer gelingen! Und das ist ganz normal und absolut in Ordnung.

Aber wenn es uns dann mal gelingt, uns selbst aus dieser Schleife rauszuziehen – dann ist das ein ganz schön gutes Gefühl  🙂

Jetzt würde mich interessieren, von Dir zu hören! Wie und wann bist Du besonders hart zu Dir? Und wie schaffst Du es, aus diesen Schleifen herauszukommen?
Ich freue mich, wenn Du Deine Erfahrungen und Gedanken hier mit uns teilst.