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Mein zwei­tes Leben

Mrz 24, 2016

Ich wer­de immer wie­der gefragt, war­um ich mache, was ich mache. Warum ich als Coach arbei­te, war­um ich einen Blog schrei­be, war­um ich einen Selbst-Coaching-Kurs anbie­te mit dem Titel „Was willst Du wirk­lich?“ … und auch, war­um ich glau­be, mit mei­nen 35 Jahren „schon“ alt genug zu sein, um ande­ren Menschen in die­sen essen­ti­el­len Fragen zur Seite zu stehen… 😉

Das Schöne für mich an die­sen Fragen ist, dass sie mich nicht (mehr) ver­un­si­chern. Ich weiß heu­te, was ich weiß, was ich kann und war­um ich das tue, was ich tue.

 

Denn ich habe schon ein Leben hin­ter mir.

In mei­nem ers­ten Leben glänz­te ich nach außen, wäh­rend ich nach innen immer mehr zweifelte.

In mei­nem ers­ten Leben konn­te ich nicht unter­schei­den zwi­schen dem, was ande­re von mir erwar­te­ten bzw. was ich glaub­te, was ande­re von mir erwar­ten könn­ten, und dem, was ich wirk­lich wollte.

In mei­nem ers­ten Leben wuss­te ich nicht, was es bedeu­tet, bei sich selbst zu sein.

Ich merk­te lan­ge nicht, wie schlecht es mir ging.

Bis ich eines Tages einen abso­lu­ten Tiefpunkt erreich­te. Ich war in der Talsohle ange­kom­men. Alle Freude war weg.

Natürlich habe ich mir vie­le Gedanken dar­über gemacht, wie es so weit kom­men konnte.

Ich könn­te vie­le „äuße­re“ Umstände auf­zäh­len, die zu die­ser Traurigkeit ver­mut­lich bei­getra­gen haben. Die Scheidung mei­ner Eltern, die zu nahe Mutter, kom­pli­zier­te Familienverhältnisse.…

All das hat bestimmt auch sei­nen Platz in die­ser Geschichte.

Aber was hät­te es mir genutzt, ande­ren einen Vorwurf zu machen? Ich hät­te mei­ne Verantwortung abge­ge­ben und damit auch die Möglichkeit, mein Leben neu in die Hand zu nehmen.

Stattdessen habe ich die Verantwortung über­nom­men und mich Schritt für Schritt in ein neu­es Leben vorgearbeitet.

In ein Leben, in dem ich mich selbst ernst neh­me und auf mich achte.

In ein Leben, das ich nach mei­nen Wünschen und Bedürfnissen gestalte.

In ein Leben, in dem ich gesun­de Beziehungen füh­re, weil ich mei­ne Grenzen bewusst wahr­neh­me und auch für sie einstehe.

Ich wünsch­te, ich könn­te Euch von einer Wunderpille berich­ten, die ich nahm und mit der es mir von heu­te auf mor­gen bes­serging. Dem ist aber lei­der nicht so…

 

Aber wenn ich mei­nen Weg in zwei Erkenntnissen zusam­men­fas­sen müss­te, dann wären es diese:

# 1   Lass Veränderungen in Dir zu. 

Was für mich auf dem Weg in mein neu­es Leben viel­leicht am schwie­rigs­ten war, war die Erkenntnis, dass ich mir mei­nen gan­zen Weg mit Argumenten, fal­schen Zielen und – ja – Worten selbst zuge­müllt hatte.

Ich hat­te z.B. mein Studium abge­bro­chen (oder auf Eis gelegt) und konn­te 10.000 gute Argumente dafür fin­den, war­um es nicht das Richtige für mich war, war­um ich etwas ande­res machen müs­se etc. Meine Eltern unter­stütz­ten mich auch, lie­ßen mich machen.

Die Wahrheit war, dass ich ein­fach nicht wuss­te, was ich woll­te und mich in mei­ner Studienstadt zuneh­mend unwohl fühl­te. Anstatt das so zu for­mu­lie­ren und eine Lösung zu fin­den, fand ich klu­ge Worte, um zu fliehen…

Als eine sehr gute Freundin mich ein paar Monate spä­ter vor­sich­tig frag­te, ob ich das Studium nicht doch ein­fach zu Ende machen will, fiel es mir wahn­sin­nig schwer, von mei­nem hohen „Ich-weiß-was-am-besten-für-mich-ist“-Ross her­un­ter­zu­stei­gen und zu sagen: „Weißt Du was? Ich glau­be, das ist eine sehr gute Idee, denn eigent­lich weiß ich gar nicht, was ich sonst machen soll…“  Hab ich so natür­lich nicht gesagt 😉 Aber ich habe das Studium letzt­lich (von einem ande­ren Ort aus) zu Ende gemacht und bin heu­te wahn­sin­nig froh darum.

Was ich damit sagen will: Manchmal wer­fen wir uns selbst Steine in den einen Weg, weil wir uns so ver­steift haben dar­auf, dass der ande­re der rich­ti­ge für uns ist. Weil wir es allen ande­ren gesagt haben und irgend­wann auch selbst dar­an glau­ben wollten.

Aber Dinge ändern sich, unse­re Sichtweisen ändern sich, wir ver­än­dern uns.

Und das ist gut so!

Das Schlimmste, was wir machen kön­nen, ist, Dinge durch­zu­zie­hen, die unter heu­te kei­nen Sinn mehr in unse­rem Leben haben. 

 

#2     Finde her­aus, was Du wirk­lich willst.

Mein Label heißt nicht umsonst „Worauf war­ten wir?“, denn ich habe den dazu­ge­hö­ri­gen Blog weni­ge Monate nach dem Tod mei­ner Mutter gestartet.

Unser Leben ist end­lich. Punkt. Es lohnt sich nicht, den fal­schen Träumen hinterherzulaufen.

Damals, in der Talsohle, schick­ten mich mei­ne Eltern zu einer Therapeutin. Leider erin­ne­re ich mich kaum noch daran.

Aber ich weiß, dass ich nur drei Mal dort war. Und jedes Mal gab sie mir „Hausaufgaben“ auf – ich soll­te über mei­ne Situation SCHREIBEN. Sie merk­te, dass ich das Schreiben lieb­te. Drei Gespräche und vie­le Seiten der Selbst-Reflexion spä­ter sag­te sie zu mei­nen Eltern:

„Es ist wich­tig für Anke, dass sie es von hier selbst schafft.“

Jeder von uns kennt die­se Phasen, in denen die Welt um uns her­um etwas grau­er aus­sieht als sonst. Phasen, in denen um uns her­um das Chaos aus­bricht oder sogar in uns drin.

Das sind deut­li­che Zeichen, dass es Zeit ist, etwas zu ver­än­dern in unse­rem Leben. 

Bedürfnisse wol­len gelebt, Wünsche erfüllt und neue Ziele ver­folgt werden.

Ich freue mich heu­te, dass ich die Kurve gekriegt habe und mich mei­nes Lebens, mei­ner Tätigkeiten und Beziehungen wie­der freu­en kann.

Es war ein lan­ger Weg bis hier hin. Ich habe vie­le Jahre an mir gear­bei­tet und tue es wei­ter­hin, weil mich die­ser Weg – so beschwer­lich er ist – fasziniert.

Viele die­ser Schritte schaf­fen wir alleine.

Aber manch­mal braucht es den rich­ti­gen Impuls zur rich­ti­gen Zeit. 

Diese Impulse habe ich an vie­len Stellen mei­nes Weges bekom­men, manch­mal zufäl­lig, manch­mal, weil ich sie aktiv gesucht habe.

Sie kom­men in Form von Gesprächen, Texten, Büchern, Kursen, Coachings, Interviews, Zitaten…

Heute freue ich mich, wenn ich Menschen die­se Impulse für ihren Weg geben kann, denn jeder hat ein zwei­tes Leben verdient.

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