5 ANZEICHEN, DASS DU CHRONISCH URLAUBSREIF BIST 6. Juli 2016 – Posted in: Achtsamkeit, Entschleunigung, Persönlichkeitsentwicklung, Veränderung

Im letzten Dezember bastelte mir meine 7-jährige Tochter einen Adventskalender. Jeden Tag fand ich darin eine Süßigkeit und einen Wunsch von ihr an mich. Zum Beispiel: „Ich wünsche Dir viel Glück.“ oder „Ich wünsche Dir Gesundheit.“ Sehr süß. Aber als mir auffiel, dass mindestens jeden zweiten Tag dort so etwas stand wie „Mama, ich wünsche Dir viel Spaß.“, „Viel Spaß im Advent!“ und „Ich wünsche Dir Spaß!“ kam ich ein wenig ins Grübeln…

Glaubt sie, dass ich zu wenig Spaß habe?  Moment!  Habe ich zu wenig Spaß?

Ein halbes Jahr später (vor ein paar Tagen) schaut mich meine andere Tochter aufmerksam an und fragt mich: „Mama, warum lachst Du nicht?“. Ich könnte jetzt sagen, dass es daran lag, dass wir gerade die 10. Runde UNO spielten. Aber wenn ich ehrlich bin, lag es nicht daran – UNO ist nämlich eines der wenigen Spiele, die ich tatsächlich sehr gerne spiele..

Ich lachte dabei nicht, weil ich ausgelaugt war. Die zeitlich ohnehin schon knapp bemessene Alltags-Orga nimmt jetzt vor den Sommerferien noch zu, und ich merke, dass ich nur noch funktioniere. Die Leichtigkeit fehlt, die Freude bleibt aus.

Funktionierst Du noch oder lebst Du schon?

Die ehrliche Frage, die wir uns in solchen Momenten stellen müssen:

Ist es wirklich nur eine Momentaufnahme? Sind es 2-3 stressige Wochen, aber danach wird es wieder entspannter?

Oder ist es ein Systemproblem? Muss etwas ganz Grundlegendes am Leben bzw. Lebenssstil verändert werden, damit die nicht enden wollende Erschöpfung ausbleibt?

 

5 Anzeichen dafür, dass Du chronisch urlaubsreif bist – und Tipps, wie Du diesen Teufelskreis unterbrechen kannst.

 

#1 Du fühlst den Spaß nicht mehr.

Ein sicheres Zeichen, dass Du nur noch funktionierst, ist, dass Du den Spaß, den Du „theoretisch“ hast, nicht mehr spürst.

Ich zum Beispiel habe – theoretisch – viel Spaß am Tennis spielen. Wenn ich aber im extremen Ich-funktioniere-jetzt-nur-noch-Modus bin, dann gehe ich zwar noch auf den Platz, und es fühlt sich nicht schlecht an, sich zu bewegen – aber die wirkliche Freude bleibt aus.

Mein Tipp: Schreibe 10 Sachen auf, die Dir richtig Spaß machen. (Das allein ist manchmal schon eine Herausforderung) Und dann achte beim nächsten Mal, wenn Du eine dieser Sachen machst, darauf, ob Du den Spaß, den Du auf dem Papier dabei hast, auch tatsächlich SPÜRST.

 

#2 Du lachst zu wenig.

Vor ein paar Tagen habe ich gemeinsam mit einer Freundin so herzlich über mich selbst gelacht, dass ich Tränen in den Augen hatte und mich minutenlang nicht beruhigen konnte. Das tut so unglaublich gut und ist leider selten geworden. Früher gab es viel mehr Raum und Zeit zum Lachen…

Geht es Dir auch so? Dass die Momente, in denen Du herzlich und enthemmt lachst, nicht mehr so häufig sind?

Mein Tipp: Mach Dir bewusst, mit wem Du am meisten und am liebsten lachst. In welcher Umgebung es Dir besonders leicht fällt, und über welche Themen (oder Menschen) Du Dich so richtig köstlich amüsieren kannst.

Hol Dir davon mehr in Dein Leben!

(Und hier noch ein kleiner – digitaler – Tipp von mir: dieses Interview von Ellen DeGeneres mit Julia Roberts ist wirklich zum Schreien komisch https://www.youtube.com/watch?v=H0Z7wCDHn44 )

 

#3 Du betäubst Dich regelmäßig.

Ich muss zugeben, dass ich mich in stressigen Zeiten sehr häufig „betäube“. Und ich spreche hier NICHT von einem Alkohol- oder Drogenproblem!

Ich spreche von Beschäftigungen, in denen wir „versinken“, in die wir uns zurückziehen. Das ist für den einen Solitaire oder Candy Crush spielen. Für den anderen ist es der Facebook News Feed… Bei mir ist es Serien gucken.

In Zeiten, in denen ich sehr angespannt und gestresst bin, könnte ich stundenlang Serien gucken. Leider – oder Gott sei Dank! – halten mich der Alltag und meine Kinder mehrheitlich davon ab. Aber abends zum Beispiel klappt es ab und zu. Und dann schaue ich eine Folge nach der anderen, bis ich einschlafe (was heutzutage auch gerne mal nach 10 Minuten passiert ;)).

Was ist verwerflich daran? Nichts. Aber es gibt einen Unterschied zwischen achtsamem Schauen von Filmen oder Serien, die mir guttun, die mir Spaß machen und unterhaltsam sind und dem „Binge-Watchen“ von Serien, weil ich mich verstecken will. Weil ich keine Kraft mehr habe, in meiner Welt präsent zu bleiben. Stattdessen „betäube“ ich mich und versinke in einer anderen Welt.

(Vor allem der Enneagramm Typ 9 neigt übrigens zu diesem „Betäuben“! Mache hier den Selbst-Test!)

Mein Tipp: Achte in Zukunft sehr genau darauf, ob Du Solitaire spielst / Serien guckst / auf Facebook rumscrollst, weil Du gerade Zeit und Lust hast – oder ob Du diese Mittel nutzt, um Dich zu betäuben und Dich aus der stressigen Welt zurückzuziehen.

 

#4 Deine To Do-Liste schrumpft nie.

Kennst Du das auch? Für jedes To do, das Du wegstreichst, kommen zwei neue dazu. Wenn eine Aufgabe erledigt ist, steht die nächste an. Wenn Heute geschafft ist, steht Morgen vor der Tür.

Eine Endlos-Schleife an Arbeit bestimmt den Alltag. Arbeit-Arbeit, Eltern-Arbeit, Haus-Arbeit, Alltags-Arbeit.

So wird das alte Sprichwort „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ zum zynischen Running gag. Denn wenn die Arbeit nie zu Ende, die To Do Liste nie leer ist, wann fängt dann das Vergnügen an??

Ich bin ein großer Fan von To Do Listen. Bis vor Kurzem habe ich immer eine lange Liste mit mir herumgetragen. Was in einer Woche nicht geschafft war, übertrug ich in die nächste Liste usw… Das Tückische: Die Liste war gar nicht darauf angelegt, an einem Tag oder in einer Woche geschafft zu werden. Es war sozusagen eine Endlos-Liste mit Dingen, die bis irgendwann mal geschafft sein müssen.

Bis ich mir neulich bewusst gemacht habe, wie sehr mich diese Listen belasten, die nie leer sind, die nie geschafft werden können.

Seitdem bin ich dazu übergegangen, realistische Wochen-Listen zu haben. Da stehen nur die Dinge drauf, die ich genau in dieser Woche schaffen muss und auch kann. Und es funktioniert!! Freitags (oder auch mal donnerstags!) ist die Liste leer. Geschafft. Geschafft!!! Das ist dann ein echtes Entspannungsgefühl 🙂

Wie hältst Du das mit den Listen und den To Dos, der Arbeit und dem Vergnügen? Was kannst Du in Deinen Gewohnheiten verändern, damit Du öfter mal „fertig“ bist?

Mein Tipp: Setze Dir kleine Ziele oder brich die großen Ziele auf kleine Häppchen runter, die Du realistischerweise an einem Tag oder in einer Woche schaffen kannst. Dann macht der Feierabend oder das Vergnügen nach getaner Arbeit wieder Spaß.

 

#5 Du wartest auf das Wochenende/die Sommerferien/die Pensionierung, um endlich zu entspannen.

Neulich hat mich eine Freundin gefragt: „Und? Wie geht’s Euch? Sehr im Stress?“ Und ich habe mich zum wiederholten Male bei einer Antwort erwischt wie „Joah, Endspurt! Wir sind alle urlaubsreif…“ Natürlich ist es mit und ohne Schulkinder normal und legitim, dass man sich nach dem Sommerurlaub sehnt (vor allem in Anbetracht des vielen Regens). Das will ich niemandem und auch mir selbst nicht nehmen.

Und trotzdem birgt es eine gewisse Gefahr, sich so sehr nach den Pausen von außen zu sehnen. Bedeutet das nicht, dass ich es im Alltag zu wenig schaffe, mir Pausen zu gönnen? Bzw. meine Energien so in Balance zu halten, dass ich nicht das Wochenende BRAUCHE, um mich endlich zu erholen, die Sommerferien HERBEISEHNE, weil ich nur dann entspannen kann?

Mein Tipp: Gönne Dir JEDEN Tag eine halbe Stunde, in der Du „Urlaub“ machst. Und damit meine ich: etwas, was Dir KRAFT gibt, was Dir Spaß macht. 30 Minuten echte PAUSE. Wenn Du Zeit für mehr hast, super. Wenn nicht, nimm die 30 Minuten und mach das Beste draus.

Wie wäre es, wenn Du Dir diese 30 Minuten in Deinen Kalender einträgst als festen Termin mit Dir selbst? Und nicht ab dem Herbst, oder ab übernächster Woche, sondern ab heute?

Urlaubsreif sind wir alle mal.

Jeder von uns hat stressige Phasen im Job, zuhause oder wo auch immer. Das ist alles normal, und wir sollten uns dafür nicht auch noch verurteilen, denn das erzeugt nur noch mehr Stress.

Aber es es gibt einen Unterschied zwischen Stress und Dauer-Stress, zwischen „viel zu tun“ und endlosem Arbeiten, zwischen LEBEN und FUNKTIONIEREN.

Wenn wir uns die Erholung auch in unseren Alltag holen und Funktionieren nicht mehr als höchstes Gut ansehen, dann können wir das Leben wieder genießen! Mit oder ohne Urlaub.

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen wunderschönen, entspannten Sommer mit viel Sonne und natürlich besonders viel SPASS! 🙂

 

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